Das Magazin für Kreuzfahrtschiffe, Fähren & Meer

Ein Kreuzfahrtklassiker von gestern

Eine Buchneuerscheinung befasst sich mit einem markanten Schiff in der Flotte der Ferienschiffe. 1914 in Dienst gestellt als „Johann Heinrich Burchard“, wurde der 20.000-Tonner mit seinem letzten Namen „Reliance“ berühmt als Cruiser für Besserverdienende. Oberklasse unter Flagge der Traditionsreederei Hapag. Richtig, Hapag, noch ohne Bindestrich und Lloyd dahinter. In den 1930er Jahren hätten sich die Hamburger Hapag und der Bremer Norddeutsche Lloyd  – damals Erz-Konkurrenten – nicht vorstellen können, einmal unter einem Dach vereint zu sein.

Und sicher haben in diesen Jahren die Hanseaten an der Weser ihre Rivalen von der Elbe um die schmucke „Reliance“ auch ein bisschen beneidet. Dieses Schiff und seine baugleiche Schwester „Resolute“ waren beliebte Einheiten in der internationalen Kreuzfahrt (die Nummer drei dieser sogenannten, nach ihr benannten „Tirpitz“-Klasse hatte ein zusätzliches Deck und wurde nach dem Ersten Weltkrieg an England abgeliefert). Mit ihren drei Schornsteinen sahen sie ein bisschen aus wie verkleinerte Kopien des berühmten, zwischen 1913 und 1920 fertiggestellten Hapag-Trios mit den Namen „Imperator“, „Vaterland“ und „Bismarck“ die zwei Jahrzehnte weltgrößten Liner.

Der Lebenslauf der unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg auf der Bremerhavener Werft Tecklenburg für die Hapag gebauten „Reliance“ war voller Höhen und Tiefen. 1916 wurde der Liner an den Koninklijke Hollandschen Lloyd verkauft mit „Lieferung nach Kriegsende“. Das lief freilich so nicht. Als Ersatz für die von den Deutschen in der wirren Zeit versenkten holländischen Schiffe mussten die „Burchard“ und ihre Schwester „William O'swald“ (später „Resolute“) als Reparation abgegeben werden und bekamen die Namen „Limburgia“ und „Brabantia“. Zunächst unter niederländischer Flagge, fuhren die Schwestern schon bald für der United American Lines und wurden unbenannt in „Reliance“ und „Resolute“. Diese Namen blieben auch erhalten, als die Hapag ihre ehemaligen Schiffe 1926 zurückkaufte. Die „Reliance“, für Kreuzfahrten nun ganz in Weiß, brannte im Hamburger Hafen am 7. August 1938 unter ungeklärten Umständen aus und musste als Totalverlust abgeschrieben werden. Ihre Schwester ging als italienischer Truppentransporter „Lombardia“ im Zweiten Weltkrieg verloren.

Das Buch „Johann Heinrich Burchard – Tecklenburgs größter Schiffsneubau“ ist ein Leckerbissen für alle, die sich für die Geschichte der Passagierschifffahrt interessieren.



„Johann Heinrich Burchard“, Rolf Stratmann, 88 Seiten mit vielen Abbildungen, 19,80 Euro, NW-Verlag (www.nw-verlag.de).                                                               Tö

08.11.2012

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