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Bremerhaven: Kleine Schiffe ganz groß

Kartonmodellbau-Promis: Konstrukteur Peter Brandt (rechts) und Bauprofi Alexander Lange. Hier zeigen sie eine Nachbildung der noch nicht im Handel befindlichen "Albert Ballin". Foto:Tönnishoff
Bremerhaven wurde einst regelmäßig angelaufen von so berühmten Oceanlinern wie der „Bremen“, „Europa“, „United States“, „America“, „Olympia“. Auch im Zeitalter der Kreuzfahrt ist die Stadt an der Weser eine erste Adresse. Und ebenso wenn es um Schiffe im Miniformat geht, genauer um Modelle aus Karton, steht Bremerhaven im Fokus. Hier treffen sich regelmäßig die Hobby-Schiffsbauer und zeigen ihre Schöpfungen im Rahmen eines Karton-Modellbau-Treffens. Zuletzt im Schifffahrtsmuseum Ende April. WELCOME ABOARD war dabei.

Man kann nur staunen. Karton, Papier – unglaublich, was geschickte Hände daraus zaubern. Dazu muss man wissen, dass zum Beispiel der Modellbogen der „Bremen“ von 1929 insgesamt 4982 Teile (!) enthält, die ausgeschnitten, geformt und verklebt werden müssen. Für den Bau des 1,15 Meter langen Modells im Maßstab 1:250 kann noch ein Ätzsatz geordert werden, der Reling und diverse andere Teile besonders filigran darstellt. Die schöne Hamburgerin „Hanseatic“ etwa, mit der sich die leider nur kurzlebige Hamburg Atlantik Linie 1958 in die Linienfahrt und auch in die Kreuzfahrt einschiffte, lässt sich im gleichen und wohl beliebtesten Maßstab bauen. Weitere Klassiker in diesem Format sind die „Cap Arcona“ (1927), die „Bremen“ ex „Pasteur“, die „Berlin“ ex „Gripsholm“, die „Olympia“ (1953), die „Rotterdam“ (1956), die „Monte Rosa“ (1930), um nur einige zu nennen. In Bremerhaven stellte der wohl bekannteste Konstrukteur solcher Baubögen, Peter Brandt, ein im Handel noch nicht angebotenes Schiff vor: die „Albert Ballin“ von 1923 (www.h.m.v.de). Wirklich ein echter Leckerbissen für Shiplover.
Es müssen übrigens nicht nur Oldies sein. Jüngere Schiffe zum Nachbauen sind die aktuellen Hurtigruten-Liner, die „Queen Elizabeth 2“, die „Zenith“ oder das dritte deutsche TV-Traumschiff „Berlin“. Nicht nur einige deutsche Verlage haben sich auf die Herstellung von Kartonmodellbaubögen spezialisiert, sondern ebenso solche in den Niederlanden (bekannte Schiffe wie „Rotterdam“, „Statendam“ & Co.), in Polen (diverse berühmte Schiffe wie „Normandie“, „Queen Mary“ etc.) und andere. Eine internationale Verlagsübersicht findet sich unter www.modellbau-wiki.de/wiki/Kartonmodellbau.

Interessant auch, dass sich manche Spezialisten nur auf eine Reederei konzentrieren wie Walter und Rosemarie Otten aus Worpswede, für die ausschließlich die Bremer Lloyd-Schiffe infrage kommen (mit dabei die „Columbus“ von 1924), oder Kurt Georg Hesse in Bremerhaven mit Hansa-Frachtern.

Da die Preise für die Modellbogen schon bei unter zehn Euro beginnen können, steht einer Karriere als Reeder mit einem Schiff oder einer ganzen Flotte nichts im Wege. Und wie man weiß, sind viele erfolgreiche Menschen zunächst ganz klein angefangen ...
Adressen der Geschäfte, die sich auf den Verkauf von Modellbogen spezialisiert haben, finden sich unter www.ig-kartonmodellbau.de.
Tö.

29.05.2013

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