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Die schönsten Ziele der Ostsee

Ostsee-KreuzfahrtAuch das gehört zu einer Ostsee-Kreuzfahrt: Fahrt durch die Schären. Foto: Susanne Müller

In den Sommermonaten sind Kreuzfahrten ins Baltikum bei Urlaubern aus der ganzen Welt beliebt.  Wir haben ein paar Eindrücke von den Landgängen einer Kreuzfahrt durch die Ostsee für Sie gesammelt:

Helsingør (Dänemark)

Sein oder nicht sein, das ist hier die Frage. Der blutjunge Richard Burton, Laurence Olivier, Jude Law – sie alle spielten den Hamlet an jener Stelle, an der Shakespeare sein großes Drama angesiedelt hatte: auf Schloss Kronborg in Helsingør. Vom Hafen sind es nur ein paar Schritte zum Schloss, in dem Schauspieler die Rollen von Hamlet, Ophelia und Claudius einnehmen. In den dunklen Kasematten des Gemäuers können Besucher sogar dem Geist von Hamlets ermordeten Vater begegnen… (Eintritt ca. zehn Euro). Nach der Rückkehr ins 21. Jahrhundert verlockt Helsingør zum Bummel über kopfsteingepflasterte Straßen und zu einem Pott Kaffee mit dänischem Plundergebäck. 

 

Stockholm (Schweden)

Wer Stockholm, die größte Stadt Skandinaviens und dazu eine der schönsten der Welt, an nur einem Tag entdecken möchte, wird unwiderruflich scheitern. Mit dem hop-on hop-off-Bus (ca. 28 Euro) gelangt man zumindest schnell von einem Höhepunkt zum nächsten. Für ABBA-Fans ein Muss ist das 2013 eröffnete Museum über die schwedische Popgruppe. Da schlüpfen Besucher in die Rolle eines fünften Bandmitglieds und schmettern „Mamma Mia“ live on stage ins Mikro, bewundern die Originalkostüme von Anni-Frid und Agnetha und hören natürlich die unvergesslichen Nummer-eins-Hits der vier Schweden (Eintritt: ca. 20 Euro). Anschließend darf ein Eis in der schon fast mediterran anmutenden Altstadt natürlich nicht fehlen.

 

Turku (Finnland)

Schon die Anreise nach Turku durch die Schären, fast 50.000 kleine, bewaldete Inseln, ist spektakulär. Viele berühmte Schiffe kommen aus der Stadt am Bottnischen Meerbusen, zum Beispiel die „Allure of the Seas“ und die „Mein Schiff 6“. Die Werft gehört jetzt zu einhundert Prozent zur deutschen Meyer Werft. Nicht weit vom Hafen lädt das Maritime Forum auf fünf Museumsschiffe ein. Die Farbe abgeblättert, der Holzboden auf den Außendecks kaputt, doch im Inneren der „Bore“ wird die Zeit der 70er am Leben erhalten. Ein Muss für Schiffsliebhaber! (Eintritt Museum und Schiffe: 16 Euro).   

Helsinki (Finnland)

Die jungen Musiker stimmen ihre Instrumente, einen Moment lang ist es still, der Dirigent hebt die Arme und dann legen die Absolventen der Sibelius-Akademie los. Die Musikstudenten spielen mit voller Leidenschaft, die Töne dringen jedem Besucher der runden Felsenkirche unter die Haut. Ihre Akustik ist weltberühmt. Der Eintritt in die in den Stein gesprengten Kirche ist frei, das Konzert der Finnen ebenso – und bleibt unvergessen. Ob Helsinkis Einwohner oder seine Touristen – alle treffen sich auf dem Markt am Hafen, um Blaubeeren aus den Wäldern Finnlands einzukaufen. Direkt nebenan lockt die Markthalle zu einem Besuch. Brötchen mit fangfrischem Lachs, Kaviar und Champagner, Suppe mit Rentierfleisch oder kleine Preiselbeertörtchen: hier lässt sich alles probieren.    

 

St. Petersburg (Russland)

Es war ein klarer, kalter Tag im März 1881, als Zar Alexander II. in St. Petersburg starb. Ein Bombenattentat. Es war der siebte Versuch ihn zu töten, und diesmal gelang das Vorhaben. Zwei Jahre später ließ sein Sohn an der Stelle, wo das Blut Alexanders auf das Pflaster gesickert war, eine Kirche erbauen: die Auferstehungskirche. Die Petersburger nannten sie von Anfang an nur die „Blutkirche“, und so heißt sie auch heute noch. Mehrmals entging sie selbst nur knapp dem Untergang. Eine Granate blieb in ihrer Kuppel stecken, genau unter der Achsel eines Bildes von Jesus. Die Sowjetregierung wollte das Gotteshaus abreißen, doch die Bevölkerung ging dagegen auf die Barrikaden. Die russische Reiseführerin Julia ist sich sicher: „Diese Kirche sollte genau hier stehen und bleiben. Manche Orte strahlen eine sehr besondere Atmosphäre aus. Wer dafür empfänglich ist, kann sie hier spüren.“

   

 

Tallinn (Estland)

Die Türme heißen „Langer Hermann“ und „Dicke Margarete“, die Straßen „Das kurze Bein“ oder „Das lange Bein“: Jeder Zentimeter in der estnischen Hauptstadt Tallinn atmet Geschichte. Seitdem die Stadt im 11. Jahrhundert entstand, hatten mal die Dänen, mal die Deutschen, die Schweden und die Russen das Sagen. Erst 1990 wurden die Esten endlich wieder souverän. Sieben Jahre später erklärte die UNESCO die mittelalterliche Stadt zum Weltkulturerbe. Kreuzfahrer können zu Fuß vom Hafen aus in die Stadt laufen. Sie bummeln zwischen den Häusern aus der Hansezeit, steigen die Stufen der engen Wendeltreppen empor, die auf die Stadtmauer führen und fühlen sich in die Szenerie eines Films über das Mittelalter versetzt.

Tallinn

 

Klaipeda (Litauen)

Schneeweißer Sand, wohin man blickt. Früher wurden Sahara-Filme hier auf der Kurischen Nehrung in Litauen gedreht. Vom Hafen in Klaipeda aus fahren wir nach Nida. Einst hieß es Nidden und lag an der Poststraße zwischen Königsberg und Memel. Das Dorf hat einiges mitgemacht. 1709 starben alle Einwohner an der Pest, zweimal wurde der Ort unter einer Wanderdüne begraben und musste weichen. Heute spazieren die Kreuzfahrer durch die Straßen Nidas und bewundern die bunten Häuser, die Vorgärten, in denen Levkojen blühen. Kein Wunder, dass sich der Schriftsteller Thomas Mann in diese Gegend verliebt hat. In seinem Ferienhaus bewundern wir den Ausblick aufs Meer, bevor es zurück zum Schiff geht.

 

Bernstein: die Tränen der Göttin

Bei einer Kreuzfahrt durch die Ostsee ist er allgegenwärtig: Bernstein. Er fühlt sich sinnlich und warm an, und er ist überraschend leicht. Noch heute sammeln die Menschen an der Ostseeküste Bernstein, einen der ältesten Schmuck- und Heilsteine der Welt.

Die Legende erklärt seine Entstehung so: Die Göttin Jūratė, deren Name auf dem litauischen Wort jūra für Meer beruht, lebte tief in der Ostsee in einem wunderschönen Bernsteinschloss. Ein junger Fischer namens Kastytis störte diesen Frieden, indem er sehr viele Fische fing. Jūratė beschloss, ihn zu bestrafen, doch stattdessen verliebte sie sich in den gutaussehenden, jungen Mann. Die beiden lebten eine Zeit lang glücklich im Bernsteinschloss, bis Perkūnas, der Donnergott der litauischen Mythologie, erfuhr, dass die unsterbliche Göttin sich in einen Sterblichen verliebt hatte. Er tobte vor Wut, zerstörte das Bernsteinschloss und tötete Kastytis.  Laut der Legende sind die hellgelben Bernsteinstückchen, die noch heute nach Stürmen an die Strände der baltischen Länder gespült werden, die Tränen der Göttin Jūratė.

Text & Fotos: Susanne Müller


09.05.2017

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