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Mit der Fähre ohne Visum nach Russland

St. PetersburgSt. Petersburg: es geht auch ohne Visum. Foto: Susanne Müller

St. Petersburg, das zumindest behaupten viele Menschen, gehört zu den schönsten Städten Europas. Und so häufen sich die Angebote für Reisen in die alte Zarenstadt in den vergangenen Jahren. Allerdings gibt es für Touristen ein Ärgernis, denn eine Einreise nach Russland ist nur mit Visum möglich – und das kostet zumindest 90 Euro. Aber: Es geht auch ohne.

Die russische Reederei St. Peter Line wirbt damit, dass bei Anreise mit ihren Schiffen eben kein Visum benötigt wird. „Gemäß der Gesetzgebung der Russischen Föderation dürfen sich ausländische Staatsangehörige und Personen ohne entsprechendes Visum auf dem Territorium der Russischen Föderation bis 72 Stunden ohne Visum befinden, unter der Bedingung dass sie zu einer organisierten Reisegruppe gehören. Das heißt, dass eine visafreie Reise bis zu drei Tage dauern kann“, erklärt die Reederei. Diesen Umstand machen sich inzwischen auch deutsche Anbieter – so zum Beispiel das Frankfurter Reiseunternehmen Trendtours – zunutze, denn ihre Kunden können bei einem Besuch in St. Petersburg Geld sparen.

Mit der „Princess Maria“ von Helsinki nach St. Petersburg

Die Probe aufs Exempel wurde natürlich unternommen. Zunächst ging es mit dem Flugzeug nach Helsinki, dann auf ein Schiff der St. Peter Line, die „Princess Maria“. Ein russisches Schiff – das ruft zunächst einmal Skepsis hervor. Die aber ist unbegründet, das Fährschiff entspricht westeuropäischem Standard, wenn auch in den Innenkabinen wirklich nur das Nötigste zu finden ist. Das beinhaltet neben einer Nasszelle auch die Betten – und die garantieren einen geruhsamen Schlaf. Das ist für alle Reisenden zunächst einmal das Wichtigste.

Auf dem Schiff sind mehrere Restaurants zu finden – sie alle erweisen sich als bezahlbar und bieten eine gute Qualität an. Es gibt einen allerdings schwach ausgestatteten Duty-Free-Shop, eine Wechselstube, eine Caféteria und – nur gegen Aufpreis zu nutzen – sogar einen Wellness-Bereich. Am besten aber gefällt die Kneipe an Bord, die eine Reihe von internationalen Fassbieren und ein umfangreiches Speiseangebot hat. Hier lässt es sich aushalten, das alles wirkt sehr gemütlich.

Ungewöhnlich: Für das abendliche Show-Programm im großen Night-Club muss Eintritt bezahlt werden. Das bezahlte Geld allerdings wird auf den Umsatz angerechnet. Wer genug verzehrt, muss fürs Zusehen also nichts bezahlen. Die rund 15-stündige Überfahrt von Helsinki nach Sankt Petersburg verläuft ausgesprochen ruhig. Am Frühstücksbüffet am nächsten Morgen gibt es auch nichts zu bemängeln. Der einzige Haken folgt nach dem Verlassen des Schiffes: Die russischen Passbeamten haben alle Zeit der Welt. Einige Mitglieder der Reisegruppe stehen an den entsprechenden Schaltern über zwei Stunden an, ehe sie ihr 72-Stunden-Visum erhalten haben und sich nun endlich mit Reisebussen auf den Weg ins Stadtzentrum machen dürfen.

Russen-Disko an Bord?!

Einen Höhepunkt der Reise stellt die Rückfahrt dar. Das Schiff ist voller als noch drei Tage zuvor. Vor allem russische Passagiere sind nun an Bord – sie wollen eine Shopping-Tour in Helsinki machen. Und plötzlich steht völlig überraschend ein Besuch in der Schiffs-Diskothek an.  „Wladimir Kaminer“, geht es dem deutschen Besucher durch den Kopf – und er denkt dabei natürlich an dessen Werk „Russen-Disko“. Was sich hier abspielt, scheint nicht immer jugendfrei zu sein. Vor allem die sich abwechselnden und nach und nach entblößenden Go-Go-Girls auf einer kleinen Bühne reizen natürlich zum Hinschauen, sind aber auf westeuropäischen Schiffen eher nicht anzutreffen. Es wird getanzt, geschmust, getrunken – die Überfahrt nach Helsinki macht die Nacht zum Tag.

Immerhin: Am nächsten Morgen kann schon wieder gefrühstückt werden, vor allem der gebeizte Lachs erweist sich als bestens gegen Kater geeignet. Und dann ist Finnland wieder erreicht. Ob die Einreiseprozedur in die Europäische Union wohl auch wieder so umständlich sein wird wie die in die Russische Föderation? Mitnichten! Ein Blick in den Pass – und es geht weiter. Zollbeamte sind gar nicht zu sehen. Ob es wohl ein Fehler war, nur die erlaubte eine Stange Zigaretten im Gepäck zu haben?

Die Reise nach St. Petersburg war phantastisch – auch wegen der angenehmen Fährüberfahrt, in erster Linie allerdings der Schönheit der Stadt wegen. Und die soll irgendwann noch einmal besucht werden, wobei die Anreise so gut gefallen hat, dass beim nächsten Mal gern der gleiche Weg gewählt wird – er erspart ja rund 90 Euro, die ansonsten ausgegeben werden müssen, ohne dass es eine spürbare Gegenleistung dafür gibt. Übrigens kann St. Petersburg mit der St. Peter Line auch von Tallin oder Stockholm aus erreicht werden. Aber: Für Individualreisende gilt die Visums-Freiheit leider nicht. Schade.

Dirk Kröger (Text & Fotos)

 


07.03.2017

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