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Bye-bye „Georg Büchner“

Gesunken: die "Georg Büchner". Foto: Tönnishoff

Soeben hatten wir den unten stehenden Bericht am 31. Mai morgens (!) auf diese Seite gestellt, da erreichte uns die Meldung, dass die „Georg Büchner“ auf dem Weg zum Verschrotten wenige Stunden zuvor in der vergangenen Nacht vor der polnischen Küste gesunken ist - und wir können es immer noch nicht fassen! 
Wieder einmal scheint sich zu bewahrheiten,  dass Schiffe eine Seele haben und dass sie statt Abwracker lieber den nassen Tod wählen. Wie schon einmal das in den 1960er Jahren ehemalige Lloyd-Flaggschiff „Bremen“ ex „Pasteur“, das mit seinem letzten Namen „Filipinas-saudi 1“, ebenfalls vom Schlepper gezogen, auf seiner letzten Fahrt im Indischen Ozean am 6. Juni 1980 plötzlich Schlagseite bekam und nach kurzem Todeskampf versank.

Noch vor wenigen Wochen haben wir auf dieser Seite die Daumen gedrückt für ein Überleben der „Georg Büchner“. Leider kein Happy End. Am 28. Mai hat dieses zuletzt als schwimmende Hotel dienende Schiff seinen langjährigen Liegeplatz im Rostocker Stadthafen mit Schlepperhilfe verlassen. Nach Ankunft im littauischen Klaipeda wird das ehemalige belgische Kombischiff „Charlesville“ (120 Passagiere) von 1951 und frühere Ausbildungsschiff „Georg Büchner“ der Deutschen Seereederei verschrottet.
Wie die Rostocker Stadtverwaltung mitteilt, wurde die Entscheidung im Einvernehmen mit dem Landesamt für Kultur und Denkmalpflege getroffen. Rostocks Oberbürgermeister Roland Methling betont: „Ich bedauere dies außerordentlich. Aber letztlich fand sich kein potenzieller Eigner, der dem Schiff eine dauerhafte Perspektive geben und dies auch belastbar finanziell untersetzen konnte.“ Aus, vorbei. Wie so oft ging es um Geld – mit etwa vier Mio. Euro allein für eine Sanierung des Oldies war die Rede –, das offenbar keine Stelle bereit war, zu investieren. Schade. Zehn Jahr war dieses interessante Schiff mit seinem so ungewöhnlichen Lebenslauf ein maritimes und – wie wir finden – attraktives Wahrzeichen der Stadt Rostock sowie seit 1967 (!) ein Stück ostdeutscher Seefahrtgeschichte.
Zur Erinnerung: Gleiches in Hamburg vier Jahre zuvor, wo sich niemand fand, dem nach dieser Stadt benannten Liner und nach dem Krieg ersten, noch dazu in der Elbe-Metropole gebauten großen Passagierschiff ein Chance als schwimmendes Museum oder Hotel zu geben. 2009 wurde die formschöne, bis zuletzt in hervorragendem Zustand befindliche „Maxim Gorki“ ex „Hamburg“ (1969) in Indien verschrottet.
Dass es auch anders geht, beweist die niederländische Hafenstadt Rotterdam. Wie kürzlich berichtet, hat hier das ehemalige, 1959 in Dienst gestellte Flaggschiff „Rotterdam“ V) der Holland America Line einen ständigen Liegeplatz als Hotelschiff erhalten. Damit verfügt die Metropole mit den vielen avantgardistisch gestylten Hochhäusern sozusagen als Kontrast dazu über ein berühmtes Highlight aus der Vergangenheit. Und offenbar ist bei unseren niederländischen Nachbarn auch möglich, was bei uns scheinbar nicht geht: es rechnet sich.
Tö.


 





 
Schrieb ein Stück ostdeutsche Seefahrtsgeschichte: die "Georg Büchner".



Fotos: Tönnishoff


31.05.2013

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