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Unterwegs mit Manfred Schmidt

Schifffahrt auf dem Rhein vor der Loreley zwischen Oberwesel und St. Goar am Rhein. Foto: Mittelrhein Lichter
Manfred Schmidt, Erfinder der Comicfigur Nick Knatterton, hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Nicht nur sein Meisterdetektiv Knatterton macht den 1999 verstorbenen Cartoonisten und Autor unvergesslich, sondern ebenso seine lustig-bösen Reiseberichte (Eines seiner Bücher trägt den vielsagenden Titel „Mit Frau Meier durch die Wüste“), die den deutschen Touristen in den Wirtschaftswunderjahren fern der Heimat nicht wirklich nur sympathisch zeigen. Das war alles gestern, aber – manche der von Schmidt festgehaltenen Beobachtungen können auch heute noch gemacht werden.

Die typische Schmidt-Schreibe – eine Kostprobe mit Auszügen aus einem Reisebericht von einer Rheinfahrt in den 1960ern (aus dem im Lappan Verlag erschienenen Buch „Manfred Schmidt: Reisereportagen“):
Ich machte es mir bequem, jeden Moment mit einem herniederprasselnden Rheinliederpotpourrie rechnend. Aber nichts dergleichen geschah. Die nervenstählende Ruhe wurde nur hin und wieder vom Aufkreischen der Mitglieder eines Kölner Damenkegelclubs unterbrochen. Die durchweg stark ausgereiften Damen erzählten sich Herrenwitze. Die umsitzenden Engländer, Holländer und Skandinavier zuckten bei jedem Kreischen indigniert zusammen. Sie wussten nicht, dass es keine bessere Vorbereitung auf den am Abend geplanten Besuch der Rüdesheimer Drosselgasse geben konnte …
Vom Schiff gesehen, ist die burgengespickte Landschaft weitaus schöner als von der dieselverqualmten und meistens verstopften Landstraße aus. Wie deutsch der Rhein ist, riefen uns immer wieder die meterhohen Hotelnamen vom Ufer aus zu: Deutsches Haus, Deutscher Adler, Deutscher Kaiser, Hohenzollern und andere markige Bezeichnungen. An einer Mauer las ich die Riesenbuchstaben WELLMICH. Das ist keine ungehörige Aufforderung, sondern nur ein Ortsname.
Der Höhepunkt der Rheinfahrt war natürlich sowohl für In- als auch für Ausländer der Moment, als der vielbesungene Loreley-Felsen auftauchte. Alle Passagiere standen auf dem Oberdeck. Bisher fuhr das Schiff zu meiner Freude ohne Lautsprecherberieselung. Aber hier waren die Membranen nicht mehr zu halten. Mithilfe eines auf Platten gezogenen Männerchores dröhnten sie „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten.“ Manche verstohlene Träne wurde da aus eiskaltem Managerauge gewischt.
Neben mir stand ein Amerikaner an der Reling und sagte zu seiner Gattin: „There you see what a good hit can do.“ Er war der Überzeugung, dass nur der Hit, der Schlager, den Felsen berühmt machte. Der Herr war sicher aus der Musikbranche und bedauerte, den Schlagertexter Heinrich Heine nicht unter Vertrag zu haben.
Tö.

25.04.2013

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